Muskel- und Wadenkrämpfe können viele Ursachen haben

Sie treten ganz plötzlich und ohne Vorwarnung auf – Wadenkrämpfe. Dabei schießt ein fast unerträglicher Schmerz ins Bein, als ob sich die Muskeln mit voller Kraft zusammenziehen würden. So schnell der Krampf gekommen ist, verschwindet er zum Glück meist wieder. Aber was können die Ursachen von plötzlichen Beinkrämpfen sein? Hier finden Sie eine Übersicht.

Ursache von Wadenkrämpfen – ein Überblick

Egal ob nachts oder beim Sport: Muskelkrämpfe können zu jeder Gelegenheit und bei Menschen aller Altersgruppen auftauchen. Warum es zu der plötzlichen Anspannung eines Muskels beziehungsweise einer Muskelgruppe kommt, ist nicht immer leicht zu beantworten. Denn: Es gibt zahlreiche Faktoren, die Muskel- und Wadenkrämpfe auslösen können. Je nach Ursache lassen sich zwei Formen unterscheiden:

  • paraphysiologische Muskelkrämpfe: Darunter fallen alle von äußeren Ursachen ausgelöste Muskelkrämpfe. Sie treten bei gesunden Menschen, zum Beispiel aufgrund sportlicher Überbelastung oder eines gestörten Elektrolythaushalts auf.
  • symptomatische Muskelkrämpfe: Die Muskelkrämpfe sind ein Symptom einer Krankheit beziehungsweise Nebenwirkung von Medikamenten.

Darüber hinaus werden häufig noch idiopathische Muskelkrämpfe unterschieden. Idiopathisch meint im medizinischen Sinne, dass kein erkennbarer Grund für die Krämpfe gefunden werden kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keinen gibt: Eventuell ist eine familiäre Veranlagung die Ursache von Wadenkrämpfen – der Forschungsstand ist in diesem Bereich noch unzureichend.

Ursachen für paraphysiologische Muskel- und Wadenkrämpfe

So schmerzhaft Wadenkrämpfe sind, in den meisten Fällen sind sie zum Glück harmlos. Zu den Ursachen für einen plötzlichen Wadenkrampf zählt neben einer sportlichen Überbelastung der Muskeln häufig ein Magnesiummangel.

Sportliche Überbelastung

In der Verlängerung eines Fußballspiels krümmen sich selbst Profispieler oft auf dem Rasen. Das mag in einigen Fällen aus taktischen Gründen der Fall sein, meistens sind jedoch schmerzhafte Beinkrämpfe die Ursache.

Dass Wadenkrämpfe ein häufiges Leiden von Sportlern sind, liegt vor allem in der Überbelastung der Muskeln. Beim Sport findet in den Muskeln ein ständiger Wechsel zwischen An- und Entspannung statt. Hierfür ist ein enges Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln entscheidend.

Gut zu wissen: Je trainierter ein Muskel ist, umso unwahrscheinlicher ist eine Verkrampfung aufgrund von Belastung. Deshalb neigen insbesondere Menschen, die zum Beispiel viel am Schreibtisch sitzen oder wenig Sport machen, zu Muskel- und Wadenkrämpfen. Bereits leichte sportliche Aktivitäten können für die ansonsten wenig geforderten Muskeln eine ungewohnte Beanspruchung darstellen.

Gestörter Elektrolythaushalt

Die Ursache von Wadenkrämpfen und Beinkrämpfen ist häufig übermäßige sportliche Belastung

Die Überbelastung der Muskeln ist jedoch nicht der einzige Grund, weshalb viele Sportler häufig von Wadenkrämpfen geplagt werden. Eine weitere Ursache ist eine Störung des Elektrolythaushaltes. Dieser kommt vor allem bei Sportlern schnell aus dem Gleichgewicht, da der Körper beim Schwitzen wichtige Mineralien verliert. Zudem haben Sportler einen erhöhten Magnesiumbedarf, weil die Muskulatur bei jeder Bewegung Magnesium verbraucht und mit dem Schweiß Elektrolyte (unter anderem ebenfalls Magnesium) ausgeschieden werden.

Ebenso sollten Nicht-Sportler darauf achten, dass ihre Elektrolytspeicher gefüllt sind. Das kann beispielsweise mit einer magnesiumreichen Ernährung oder unterstützend mit Magnesiumpräparaten aus der Apotheke sichergestellt werden. Besonders wichtig ist dies bei sehr warmen Temperaturen, wenn durch starkes Schwitzen Wasser und Salze verloren gehen. Aber auch Durchfall oder Erbrechen können das Elektrolytgleichgewicht beeinflussen.

Gut zu wissen: Dass Muskel- und Wadenkrämpfe vor allem bei älteren Personen häufiger auftreten, liegt meist an einer zu wenig trainierten Muskulatur, zu geringen Trinkmengen oder einer unzureichenden Nährstoffzufuhr.

Wadenkrampf – vermehrtes Auftreten in der Schwangerschaft

Paraphysiologische Muskel- und Wadenkrämpfe kommen zudem oft bei Schwangeren vor und bringen werdende Mütter vor allem nachts um den wertvollen Schlaf. Oft ist ein Mangel an Mineralstoffen (wie Magnesium) die Ursache der nächtlichen Beinkrämpfe, weshalb ein Arztbesuch ratsam ist. Denn Magnesium ist ein Mineralstoff, der gerade jetzt für Mutter und Kind besonders wichtig ist. Der Arzt kann gegebenenfalls ein geeignetes Magnesiumpräparat empfehlen, um den Magnesiumspeicher wieder aufzufüllen.

Symptomatische Muskel- und Wadenkrämpfe

Symptomatische Muskel- und Wadenkrämpfe treten als Begleitsymptome einer Erkrankung auf. Beispiele für derartige Grunderkrankungen sind:

  • Gefäßerkrankungen: Ein Krankheitsfeld, das von Betroffenen eher selten als Ursache für einen Wadenkrampf in Betracht gezogen wird, sind Gefäßerkrankungen, zum Beispiel Durchblutungsstörungen. Dabei können diese Einfluss auf die Entstehung von Muskelkrämpfen haben. Übrigens: Magnesium spielt für die Durchblutung eine wichtige Rolle. Hier erfahren Sie mehr über die Wirkung von Magnesium.
  • Nervenerkrankungen: Auch die Nerven können für eine unkontrollierte Verkrampfung der Muskeln verantwortlich sein. Das Nervensystem ist unter anderem für die Übertragung von Reizen auf die Muskulatur zuständig und gibt den Impuls für die Anspannung der Muskeln. Ist diese Regulation gestört, kann es zu äußerst schmerzhaften Muskelkrämpfen kommen.
  • Erkrankungen der Muskeln: Myopathien sind Erkrankungen der Muskeln, die sich unter anderem durch eine Muskelschwäche auszeichnen und mit Muskel- und Wadenkrämpfen einhergehen können.
  • Erkrankungen der Nebenschilddrüse: Die Nebenschilddrüse spielt eine wichtige Rolle für den Elektrolythaushalt. Sie steuert somit wichtige Körpervorgänge. Liegt eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse vor, medizinisch Hypoparathyreoidismus genannt, setzt diese bei den Betroffenen zu wenig Parathormon frei. Parathormon beeinflusst unter anderem den Calciumhaushalt und kann somit durch eine Übererregbarkeit des gesamten Nervensystems zu einer Störung der normalen Muskelfunktion führen: Schmerzhafte Wadenkrämpfe können die Folge sein.
  • Diabetes mellitus: Bei einer beginnenden Diabetes-Erkrankung, im Volksmund „Zuckerkrankheit“ genannt, kommt es häufig zu vermehrtem Wasserlassen. Der Körper reagiert auf diese Weise, um die hohen Glucosemengen im Körper loszuwerden. Das häufige Wasserlassen hat Einfluss auf den Elektrolythaushalt, da ebenso vermehrt Mineralstoffe ausgeschieden werden. Aufgrund des erhöhten Magnesiumverlustes können bei Diabetes-Patienten gehäuft Muskelkrämpfe auftreten. Folgeerkrankungen von Diabetes mellitus sind unter anderem Neuropathien, Schädigungen der Nerven, und Durchblutungsstörungen. Auch diese können zu schmerzhaften Muskelverkrampfungen in den Waden führen.
Wichtig: Krämpfe können außerdem als Nebenwirkung bei der Einnahme bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel Entwässerungsmittel (Diuretika), auftreten.

Diese Muskel- und Wadenkrämpfe sollte ein Arzt abklären

In der Regel stecken hinter Muskel- und Wadenkrämpfen, vor allem wenn diese selten auftreten, nur harmlose Ursachen. Im Akutfall helfen meist ein paar einfache Tipps, um diese schnell wieder zu lösen. So kann es beispielsweise helfen, die betroffene Muskulatur zu dehnen oder sanft zu massieren. Kommen die Beschwerden jedoch häufiger vor, sollten sie vom Arzt abgeklärt werden.

Dies gilt vor allem dann, wenn zu den muskulären Beschwerden Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Bewegungseinschränkungen hinzukommen. Auch Krämpfe mit sehr starken und lang anhaltenden Schmerzen sollten eingehender untersucht werden, besonders wenn diese wiederholt die Nachtruhe stören und nicht von allein oder durch Dehnung oder Massage deutlich besser werden beziehungsweise komplett verschwinden.

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