Welche Knochenbruch-Arten gibt es?

Ob durch einen unglücklichen Fahrradunfall oder einfach durch einen Sturz aus Unachtsamkeit – ein Knochenbruch kann schnell geschehen. Oft muss der Betroffene dann mehrere Wochen einen Gips tragen. Aber wie kommt es überhaupt zu einem Knochenbruch, einer sogenannten Fraktur? Und welche verschiedenen Arten von Knochenbrüchen gibt es?

Wie entsteht eine Fraktur?

Bei einer sogenannten Fraktur, wie Mediziner einen Knochenbruch üblicherweise nennen, ist ein Knochen in zwei oder mehrere Bruchstücke gespalten. Dazu kommt es durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung:

  • Direkt bedeutet, dass der Knochen exakt dort bricht, wo beispielsweise ein heftiger Schlag auf das Bein erfolgt ist.
  • Bei einer indirekten Fraktur liegt die Bruchstelle nicht direkt am Ort des Schlages oder Stoßes. So kann zum Beispiel der Unterschenkelknochen bei einer unglücklichen Verdrehung des Beins brechen.

Gewöhnlich äußert sich ein Knochenbruch durch starke Schmerzen unmittelbar nach der Spaltung. Dass wir diese verspüren, liegt übrigens an der Knochenhaut, die mit zahlreichen Nervenfasern ausgestattet ist. Je nachdem, welcher Knochen betroffen ist, kann der Schmerzcharakter dabei zwischen stark pochend und dumpf variieren. Die Beweglichkeit des betroffenen Skelettbereichs ist meist eingeschränkt.

Arten von Knochenbrüchen im Überblick

Fraktur ist nicht gleich Fraktur: Mediziner unterscheiden verschiedene Arten von Knochenbrüchen. Dabei können sie unter anderem folgende Diagnosen stellen:

Geschlossener oder offener Bruch

Um festzustellen, ob es sich um eine geschlossene oder offene Fraktur handelt, ist keine Röntgenaufnahme notwendig. Die Unterscheidung ist dennoch wichtig, da sie den weiteren Verlauf der Behandlung beeinflusst.

  • geschlossene Fraktur: Die über dem Knochen liegenden Weichteile (Haut, Bindegewebe, Muskeln) sind nicht durchstochen. Dadurch ist noch ein Schutz des verletzten Knochens von außen gewährleistet.
  • offene Fraktur: Anders als beim geschlossenen Bruch sind die darüberliegenden Gewebeschichten beschädigt. Es besteht die Gefahr, dass Bakterien und andere Krankheitserreger von außen in die Wunde eindringen und Entzündungen verursachen können. Aus diesem Grund verabreicht der Arzt meist Antibiotika.

Erste Hilfe bei einem Knochenbruch

Kommt es zu einem Knochenbruch, sollten Betroffene das Körperteil möglichst wenig bewegen.

Bei einer geschlossenen Fraktur kann die schmerzende Stelle zudem mit Eisbeuteln gekühlt werden. Aber Achtung: Diese sollten nicht direkt auf der Haut aufliegen, da ansonsten Erfrierungen die Folge sein können. Wickeln Sie die Kühlmittel deshalb immer in ein Tuch ein.

Eine offene Fraktur dürfen Sie hingegen nicht kühlen, da durch den Kontakt mit den Eisbeuteln eine Infektionsgefahr besteht. Decken Sie die Wunde stattdessen mit einer keimfreien Wundauflage zu.

Aber egal ob geschlossen oder offen: Rufen Sie so schnell wie möglich einen Krankenwagen. Der Betroffene wird in der Regel ins Krankenhaus gebracht, wo eine Röntgenuntersuchung durchgeführt und weitere Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden können.

Trümmerbruch und Co. – Auf diese Arten kann ein Knochen noch brechen

Je nachdem, welcher Knochen betroffen ist und wieviel Kraft auf ihn ausgeübt wurde, können verschiedene Arten von Knochenbrüchen auftreten:

  • Querbruch: Der Knochen ist vollständig und quer zur Längsachse durchgebrochen.
  • Trümmerbruch: Hiervon ist die Rede, wenn der Knochen aufgrund starker Krafteinwirkung (zum Beispiel bei einem Autounfall) gleich mehrfach gebrochen ist.
  • Spiralbruch: Die Fraktur verläuft meist diagonal entlang des Schaftes. Ursache ist eine übermäßige Drehung des Knochens.
  • Grünholzbruch: Es handelt sich um einen unvollständigen Knochenbruch. Diese Art von Knochenbruch findet sich häufig bei kleineren Kindern.

Sturzunfälle sind die häufigste Ursache von Knochenbrüchen. In etwa einem Drittel aller Fälle führen sie zu einer Fraktur.1 Durch den Versuch, sich instinktiv abzustützen, kommt es vor allem an der Hand und am Arm zu Knochenbrüchen. Typisch für Sportunfälle wie beim Fußball ist hingegen der Schienbeinbruch. Ebenso ist der Oberschenkelhalsknochen anfällig für Brüche. Gerade ältere Menschen, die an Osteoporose (fortschreitender Knochenschwund) erkrankt sind, erleiden hier häufig eine Fraktur.

Wie heilt ein Knochenbruch?

Knochenbruch bei junger Frau: Frakturen können mit einem Gips behandelt werden

Nach einem Knochenbruch beginnt der Körper meist sofort mit seinem sehr komplexen Selbstheilungsprogramm: Unter anderem werden sogenannte Osteoblasten, Reparaturzellen, aktiviert und bilden den organischen Teil der Knochenmatrix. Durch dieses „Baumaterial“ und Calcium-Einlagerungen wird der Knochen stabilisiert und langsam wiederaufgebaut.

Damit die Knochenwunde auf diese Weise wieder zusammenwachsen kann, wird die Stelle der Fraktur meist ruhiggestellt. Das kann je nach Schwere des Bruchs mehrere Wochen dauern. Der Arzt legt einen Kunststoff- oder Gipsverband an. Bei einem komplizierten Knochenbruch, zum Beispiel wenn eine Fehlstellung des Knochens vorliegt, kann auch eine Operation notwendig sein.

Weitere Nachbehandlung:
Durch das Ruhigstellen während einer längeren Heilungsphase können sich Muskeln und Sehnen zurückbilden. Um die Bewegungsfähigkeit nach dieser Zeit wieder vollständig herzustellen, ist in manchen Fällen Krankengymnastik hilfreich, bei der die betroffenen Körperstellen wieder langsam an Bewegung gewöhnt werden.

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1Robert-Koch-Institut: Faktenblatt zu GEDA 2010: Ergebnisse der Studie: „Gesundheit in Deutschland aktuell 2010“. Sturzunfälle in Deutschland. 2016. S. 1.