Rheumatoide Arthritis: Schmerzende Gelenke

Meist beginnt es schleichend: Die Finger schmerzen und sind morgens nach dem Aufstehen etwas unbeweglich. Im weiteren Verlauf können sich noch weitere Gelenke wie die der Hände oder Zehen versteifen und den Alltag stark beeinträchtigen. Irgendwann ist das Zähneputzen oder Zuknöpfen von Hemden nicht mehr ohne Hilfe möglich. Die Rede ist von der rheumatoiden Arthritis, von der in Deutschland etwa 550.000 Menschen betroffen sind.1 Was ist die Ursache, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und was kann man tun, um den Verlauf positiv zu beeinflussen?

Rheumatoide Arthritis: Das Wichtigste kurz zusammengefasst

  • Die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung der Gelenke und eine spezielle Rheuma-Form.
  • Betroffene leiden an Schmerzen und Schwellungen und einer eingeschränkten Beweglichkeit, vor allem in den Fingern – es können jedoch weitere Gelenke betroffen sein.
  • Die rheumatoide Arthritis ist eine spezielle Form des Rheumas – ein Sammelbegriff für Erkrankungen, bei der eine gestörte Autoimmunreaktion vorliegt. Das heißt, dass das Immunsystem gegen den eigenen Körper arbeitet.
  • Die Behandlung erfolgt mittels verschiedener Medikamente. Ernährungs- und Sporttherapien können die medikamentöse Therapie begleiten.

Was ist eine rheumatoide Arthritis?

Der Begriff „Arthritis“ umfasst unterschiedliche Gelenkerkrankungen, denen eine Entzündung der Gelenkinnenhaut zugrunde liegt. Die am häufigsten auftretende Arthritis-Form ist die rheumatoide Arthritis – früher als chronische Polyarthritis bezeichnet. Der Begriff „rheumatoid“ weist daraufhin, dass es sich ebenfalls um eine Rheuma-Form handelt und eine krankhafte Reaktion des Immunsystems gegen den eigenen Körper (Autoimmunreaktion) vorliegt.

Die Krankheit kann grundsätzlich jede Altersgruppe betreffen. Am häufigsten tritt sie jedoch bei Menschen im Alter zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer.2

So äußert sich eine rheumatoide Arthritis

Eine rheumatoide Arthritis macht sich durch Symptome wie

  • Schmerzen (bei Druckausübung),
  • Schwellungen und
  • Überwärmung der Gelenke bemerkbar.

Besonders morgens nach dem Aufstehen können Betroffene ihre Gelenke nur eingeschränkt bewegen. Diese Morgensteifigkeit ist ein weiteres typisches Symptom für die rheumatoide Arthritis.

Die Gelenkerkrankung betrifft meist zuerst die Finger und Zehen und breitet sich dann oft auf Gelenke wie Hüft-, Schulter- und Kniegelenke aus. Die Erkrankung verläuft häufig schubweise. Darüber hinaus können sich andere Organe wie Augen, Rippenfell, Lunge, Herz und Nerven mit Fortschreiten der rheumatoiden Arthritis ebenfalls entzünden.
In der Folge können daher die verschiedensten Krankheiten wie Entzündungen der Lederhaut am Auge, Lungenerkrankungen oder Durchblutungsstörungen auftreten. Zudem haben Patienten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Denn Entzündungsbotenstoffe können sich im Körper ausbreiten und auch Blutgefäße in Mitleidenschaft ziehen. Es besteht die Gefahr, dass dadurch zusätzliche Plaques (Gewebsveränderungen) gebildet werden, die die Arterien verstopfen. Eine frühzeitige Behandlung kann Entzündungsreaktionen im Körper hemmen – und somit die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen verhindern.

Autoimmunreaktion als Ursache von Rheuma

Bei der rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Damit ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems gemeint. Der Körper will sich quasi selbst bekämpfen und produziert vermehrt entzündungsvermittelnde Eiweißmolekülen (sogenannten Zytokine), die zu Entzündungen der Gelenke führen. Ohne Behandlung werden dadurch auf Dauer Knorpel und Knochen zerstört.

Warum es bei Rheuma-Patienten zu dieser Autoimmunreaktion kommt, ist bisher noch nicht ausreichend erforscht. Mediziner vermuten vor allem genetische Faktoren als Ursache, aber auch Infektionen mit Krankheitserregern (Viren und Bakterien) sowie Rauchen werden als mögliche Risikofaktoren diskutiert.

Diagnose und Behandlung einer rheumatoiden Arthritis

Meist genügt dem Arzt die Schilderung der Krankheitssymptome, um die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis zu stellen. Laboruntersuchungen (zum Beispiel auf Autoantikörper, sogenannte Rheumafaktoren, im Blut), Röntgenuntersuchungen (um das Ausmaß von Knochenschädigungen zu beurteilen) sowie eine Ultraschalluntersuchung (bei der die verdickte Gelenkinnenhaut sichtbar wird) können jedoch dazu beitragen, die Vermutung zu stützen.

Zur Verhinderung von Spätfolgen ist eine frühzeitige und gezielte Arthritis-Behandlung von enormer Bedeutung. Neben sogenannten

  • krankheitsmodifizierenden Medikamenten (Basistherapie), welche die übermäßige Autoimmunreaktion hemmen und den Verlauf der Rheuma-Erkrankung verzögern sollen, werden häufig
  • nichtsteroidale Antirheumatika (zum Beispiel Ibuprofen) und
  • Kortison zur Schmerz- und Entzündungshemmung eingesetzt.

Auch Schmerzgele (zum Beispiel mit Ibuprofen) kommen zum Einsatz, sie wirken gezielt dort, wo es schmerzt.

Zu den krankheitsmodifizierenden Medikamenten gehören die sogenannten Biologika, welche sich in den letzten Jahren als hilfreich erwiesen haben. Das sind gentechnisch hergestellte Medikamente, die ganz gezielt entzündungsfördernden Botenstoffen des Körpers entgegenwirken.

Auch Antioxidantien können schützende Effekte bei der rheumatoiden Arthritis haben, da Sauerstoffradikale an der Gelenkschädigung beteiligt zu sein scheinen. Entzündliche Reaktionen im Körper verursachen oxidative Prozesse, bei denen verstärkt Antioxidantien wie Vitamin A, Vitamin E und Zink benötigt werden.

Studien zeigten, dass viele Rheuma-Patienten ein Defizit an Vitamin E und dem Spurenelement Selen aufweisen.3 Diese Antioxidantien sind wichtig, da sie aggressive freie Radikale abfangen, die bei Entzündungen in großen Mengen freigesetzt werden und körpereigenes Gewebe zerstören. Bei einigen Patienten kann deshalb eine zusätzliche Zufuhr durch Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Lassen Sie sich diesbezüglich am besten von Ihrem Arzt beraten.

Des Weiteren sind häufig Physio- und Ergotherapien Bestandteil der Behandlung, um die Beweglichkeit der Gelenke wiederherzustellen.

Wie lässt sich eine rheumatoide Arthritis vorbeugen?

Für die Vorbeugung spielt vor allem die ausreichende Bewegung im Alltag eine zentrale Rolle. Durch Ausdauersportarten können Muskeln, die Gelenke stützen, trainiert werden. Außerdem verbessert das Training die Versorgung der Gelenke mit wichtigen Nährstoffen. Aber Achtung: Nicht alle Sportarten sind gleich gut geeignet. Welcher Sport gelenkschonend ist, lesen Sie in dem Artikel Bewegung bei rheumatoider Arthritis.

Zudem kann die richtige Ernährung rheumatische Erkrankungen positiv beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fisch und Raps- oder Olivenöl, die reich an wertvollem Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren sind. Auf was Sie beim Essen sonst noch achten können, erfahren sie in unseren Ernährungstipps.

1Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: Rheuma in Zahlen. URL: https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Daten-und-Fakten/Rheuma-in-Zahlen.html
2Deutsche Rheuma-Liga (2017): Rheumatoide Arthritis. URL:https://www.rheuma-liga.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Mediencenter/Publikationen/Merkblaetter/1.2_Rheumatoide_Arthritis.pdf (24.01.2018).
3Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Rheumadiät. URL: http://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/rheumadiaet/ (24.01.2018).